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<page title="Infodrom Oldenburg - Artis" lang="de">

<h3>Wohnheim Artillerieweg 55a - Artis</h3>

<p>Ende '93 wurde das erste Netzwerk von <a
href=<root_prefix>>Infodrom Oldenburg</a> aufgebaut.  Damals bestand
es lediglich aus zwei Rechnern: finlandia und tuonela.  Kurze Zeit
später kam Sönke's escher hinzu.  Quer über den Balkon wurde im Sommer
'94 ein schwarzes BNC-Kabel gelegt, das die Rechner miteinander
verband.  Dieses war der Grundstein für das Wohnheim-Netz im
Artillerieweg - genannt <em>Artis</em>.  Das Verderben nahm seinen
Lauf...

<p>Die Verkabelung wurde später ins Treppenhaus verlegt und dort mit
Silikon an den Fußleisten bzw. Decken fixiert.  Nach und nach wurden
so über die fliegende Verkabelung im Treppenhaus bis zu 8 Personen an
das Netzwerk angeschlossen.  Da Infodrom Oldenburg zu dem Zeitpunkt
bereits über einen UUCP-Anschluß zum <a
href="http://www.north.de/">North-Net</a> verfügte, wurde vereinbart,
darüber erst einmal zusätzlich die Bewohner im Wohnheim mit Mail und
News zu versorgen.  Daneben wurden im Wohnheimnetz selbst verschiedene
Dienste wie IRC, Mailing-Listen, BOOTP- und DHCP-Server, FTP- und
Webserver aufgebaut.

<p>Parallel dazu wurden Verhandlungen mit dem <a
href="http://www.uni-oldenburg.de/swo/oldenburg/">Studentenwerk
Oldenburg</a> (SWO) aufgenommen.  Das Ziel bestand darin, eine von den
Bewohnern organisierte und selbst durchgeführte Vernetzung zu
ermöglichen.  Es war uns klar, daß die gesamte Planung sowie die
endgültige Vernetzung nur von uns selbst durchgeführt werden kann,
wenn sie irgendwann einmal realisiert werden soll.

<p>Sponsoring durch Firmen, das Einschalten von Firmen oder die
Kostenübernahme durch das SWO standen zu keinem Zeitpunkt überhaupt
zur Diskussion.  Die Verhandlungen mit dem Studentenwerk erwiesen sich
jedoch als extrem schwierig, zeitaufwendig und kräftezehrend.  Immer
neue Bedenken kamen von Seiten des SWO auf, die von den Studenten in
aufwendigen Diskussionen und Papieren zerschlagen werden mußten.

<p>Es war schwer, der Wohnheimverantwortlichen Frau Pichnik
klarzumachen, daß das Netzwerk ungefährlich für die Bewohner und den
Bau ist, im Prinzip heutzutage längst zum Standard gehört, das
Wohnheim aufwertet und dem Studentenwerk keine zusätzlichen Kosten
verursacht.  Hin und wieder kam von Seiten des SWO der Vorschlag auf,
daß sich die Studenten doch über Modems einwählen können.

<p>Die Verhandlungen verliefen so zäh, daß das temporäre Netz immer
weiter ausgebaut und sogar fast eine private Standleitung zum
North-Net bestellt, damit endlich eine ordentliche Anbindung besteht.
Da die Verhandlungen fast ausschließlich von mir geführt wurde, stand
das gesamte Projekt zu einem Zeitpunkt sogar komplett auf der Kippe,
da ich beim SWO keine Chance mehr auf Verständnis sah und fast
aufgegeben hätte, den offiziellen Weg zu gehen.  Das Studentenwerk hat
sich gesträubt, die Vernetzung zuzulassen, sie konnten mit dieser Art
von Aktion auch nichts anfangen.  Glücklicherweise sprang zu dem
Zeitpunkt Wolfgang Schuster in die Bresche und es gab wieder etwas
Hoffnung.

<p>Nach mehr als einjähriger Verhandlungen, die hauptsächlich von mir
geführt wurden, jedoch mit Unterstützung von Sönke Lange und Wolfgang
Schuster, gab es im Dezember '95 endlich ein Gespräch mit dem Leiter
des Studentenwerks, Herrn Kiehm.  Dieser sah die Sache positiv und
vollkommen unkritisch.  Dem SWO durften dabei keine Kosten entstehen -
das konnte zugesichert werden, da ich mich bereit erklärt habe,
ausreichend Geld für die Anschaffungen vorzustrecken.

<p>Kurz vor Weihnachten wurden daher noch Angebote von
Kabelherstellern eingefordert.  Noch im Dezember wurden daher Kabel
(immerhin 2km) und Zubehör geordert.  Von Januar bis März dauerten die
Installationsarbeiten im Wohnheim an.  Von morgens bis abends zog der
<em>Bautrupp</em> durch die Zimmer und verkabelte sukzessive alle
Zimmer.

<p>BNC-Verkabelung war zu dem Zeitpunkt zwar längst nicht mehr auf dem
Stand der Technik, doch fehlende Leerrohre in dem erst 1991
fertiggestellten Gebäude sowie die erheblich höheren Kosten für
Twisted-Pair-Kabel ließen keine andere Verkabelung zu.  Ebenfalls
gespart werden mußte bei der Art der Dosen in den Zimmern.  Da gute
EAD-Dosen und -Kabel ziemlich teuer sind (Dose ca. 40,--; bei knapp
100 Zimmern waeren das zusätzliche 4.000,-- DM), mußte darauf
ebenfalls verzichtet werden und wir entschieden uns für die
günstigeren Doppel-BNC-Dosen.

<h3>Alle 97 Zimmer verkabelt</h3>

<p>Das Ergebnis konnte sich sehen lassen!  Im Artillerieweg stand nun
oldenburgs erstes komplett verkabelte Wohnheim.  Wir hätten das Kabel
gerne auch in die Hausmeister-Butze gelegt, damit das Studentenwerk
auch etwas vom Internet-Anschluß hat, doch sie wollten es nicht.

<p>Über eine angemietete Standleitung der Telekom sowie spezielle
Hochleistungsmodems, die ich besorgt hatte, wurde das Wohnheim mit
144kBit/s ans Hochschulrechenzentrum der <a
href="http://www.uni-oldenburg.de/">Universität Oldenburg</a>
angeschlossen.  Bis zu diesem Zeitpunkt im Frühjahr '96 bestand eine
von Infodrom Oldenburg gesponsorte temporäre 28k8-DialUp-Verbindung.

<p>Das gesamte Projekt wurde von den Bewohnern unter Leitung von
Martin Schulze in Eigenregie durchgezogen.  Die gesamten Planungen,
alle Verhandlungen mit dem Studentenwerk, die Reisen zu anderen
vernetzen Wohnheimen in Deutschland, der komplette Einkauf sowie die
Durchführung und Einrichtung der Services wurde allein von den
Studenten in Eigeninitiative und auf eigene Kosten durchgeführt.

# 500,-- statt 8.000,--

<p>Meine Bemühungen um gutes Equipment haben Erfolg gehabt.  Das
Wohnheimnetz erhielt einen stark verbilligen 12-Port BNC Hub der Firma
Cabletron, die so dieses Projekt unterstützt haben.  Um die
Netzwerk-Komponenten sicher unterzubringen, wurde uns von der Firma
Conzen ein 19"-Schrank gestiftet.  Beiden Firmen zollt großer Danke,
sie haben uns einige Sorgen abgenommen.

<p>Nachdem das Netzwerk eine Weile stand, die ersten Umlagen unter den
Studenden gemacht wurden und das SWO festgestellt hat, daß sie gute
Presse erhalten haben und das Projekt ja eigentlich förderungswürdig
ist, erklärte sich das Studentenwerk bereit, die reinen Materialkosten
der Vernetzung zu bezahlen.  Damit wurden die Kosten auf einen Schlag
abbezahlt und die Bewohner mußten lediglich die laufenden Kosten
tragen sowie für einen eigenen Server sparen, denn alle Serverdienste
wurden von Infodrom Oldenburg zur Verfügung gestellt.

<h3>Weitere Wohnheimnetze</h3>

<p>Nach und nach wurden weitere Wohnheime in Oldenburg vernetzt.  Das
Wohnheim in der <a
href="http://www.pmnet.uni-oldenburg.de">Pferdemarktkaserne</a> stieg
ein, als Artis in der Endphase der Vorbereitungen war und das Projekt
fast beim Studentenwerk durchgeboxt war.  Dort wurde daher zeitgleich
verkabelt.

<p>Die Organisatoren im Pferdemarkt haben es jedoch nicht als wichtig
erachtet, sich Gedanken um eine ordentliche Netzstruktur zu machen und
in alle Zimmer Anschlüsse zu legen.  Über eine 8-Port-Ethernetkarte,
die als Hub dienen sollte sowie mehrere BNC-Repeater wurde ein
Netzwerk aufgebaut.  Zimmer der Bewohner wurden nur <em>on demand</em>
verkabelt, so daß bis 1998 immer noch nicht alle Zimmer vernetzt
waren.  Durch die Nähe zur Landesbibliothek bestand jedoch eine
einfache Möglichkeit, sich an einen schnellen Internetzugang
anzuschließen.

<p>Später kamen weitere Wohnheime hinzu.  Hier die gesamte Liste

<p><ul>
<li> <a href="http://www.artis.uni-oldenburg.de/">Artillerieweg 55a</a>
<li> <a href="http://www.pmnet.uni-oldenburg.de/">Pferdemarkt</a>
<li> <a href="http://www.fortytwo.uni-oldenburg.de/">Schützenweg 42</a>
<li> <a href="http://www.ossnet.uni-oldenburg.de/">Otto-Suhr-Straße</a>
<li> <a href="http://www.stuco.uni-oldenburg.de/">Johann-Justus-Weg</a>
<li> <a href="http://www.heh.uni-oldenburg.de/">Hermann-Ehlers-Haus</a>
</ul> 

<p>Dem Artis-Netz wurde lange Zeit nachgesagt, daß es am stabilsten
von allen Wohnheimnetzen in Oldenburg läuft und am besten gewaretet
wird.  Zugegeben, das wirft kein gutes Licht auf die anderen Netzwerke.

<p>Dazu muß man sagen, daß sich die einjährige Planunungsphase sowie
die Erfahrung der Verantwortlichen natürlich auch auf die Qualität der
Vernetzung ausgewirkt haben.  Zudem wurde mit viel Enthusiasmus
vorgegangen, obwohl das Projekt aufgrund der Blockade des SWO fast
aufgegeben wurde.  Die Server wurden zudem nicht von unwissenden
Leuten gepflegt, die noch nie vorher mit Linux/FreeBSD und dem
Internet gearbeitet haben, sondern die schon jahrelang damit
Erfahrungen gesammelt haben - Infodrom Oldenburg.

<p>Leider blieb die gesamte Administration des Netzwerks bis zum
Schluß am Betreiber von Infodrom Oldenburg hängen.  Selbst als das
Geld vorhanden war, um sich einen eigenen Server zu kaufen, wurde das
von den dafür beauftragten Personen nicht durchgeführt.  Zwei Monate
vor meinem Auszug wurde zwar der neue Server angeschafft, jedoch nicht
konfiguriert.  Da er mir, dem bisherigen Betreiber der Server, nicht
zugänglich gemacht wurde, konnten die Dienste nicht rechtzeitig
übertragen werden.  So kam es, daß am 1.10.2000 das Wohnheimnetz
zusammenbrach, da der letzte Server von Infodrom Oldenburg aufgrund
des Auszuges demontiert werden mußte.

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